Der Kern der Gelbwesten verweigert sich dem Rechtsextremismus

Das Kollektiv Quantité critique, bestehend aus Dozenten*innen, Doktoranden*innen und Studenten*innen
der Soziologie, untersucht seit September 2018 die gesellschaftlichen Entwicklungen in Frankreich. Zur
Bewegung der Gelbwesten (frz. gilets jaunes) führte das Kollektiv eine Umfrage per Fragebogen in
mehreren thematischen Facebook-Gruppen durch. In der Folge gingen 526 Fragebögen zur Politisierung
und zum Erwerbsverhalten der Befragten ein. Derzeit realisiert das Kollektiv zudem eine Feldforschung
an mehreren von Gelbwesten besetzten Verkehrskreiseln in den Städten Senlis, Compiègne
und Beauvais im nordfranzösischen Departement Oise. Diese Untersuchung umfasst eine persönliche
Befragung per Fragebogen, deren Daten aktuell bearbeitet werden, sowie eine qualitative Umfrage, im
Rahmen derer rund fünfzig Gespräche mit Protestierenden geführt werden.

Sind die Gelbwesten eine populistische Bewegung, die den Nährboden für Rechtsextremismus bildet?
Die Frage ist recht direkt. Wird sie von bestimmten Kommentaren gestellt, wird zuweilen deren
Geringschätzung gegenüber der unteren Mittelschicht deutlich. Eine kritische Auseinandersetzung mit
dieser Fragestellung ist jedoch aus verschiedenen Gründen weiterhin erforderlich. Alle soziologischen
Erhebungen kommen zunächst einmal zu dem Schluss, dass sich unter den Gelbwesten und ihren
Sympathisanten*innen eine große Anzahl rechtsextremer Wähler*innen befindet. Sie sind zwar nicht in
der Mehrheit, die Präsenz dieser politischen Orientierung stellt jedoch die Fähigkeit der Gelbwesten in
Frage, sich in einer Bewegung zusammenfinden zu können, die die Wahrung der Demokratie und den
sozialen Fortschritt zum Ziel hat.

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Arbeit, Austerität, Demokratie, Europa, Frankreich, Macron, Rechtsextremismus