Eventdetail

Von "Gemeingütern" zum "Common Good of Humanity"

Öffentliche Konferenz, Rom, 28./29. April 2011

Ort: Centro Congressi Frentani - Via dei Frentani, 4, 00185 Roma
Sprachen: Englisch und Italienisch
Organisation: RLS Brüssel in Kooperation mit Altramente – Scuola per tutti, Transform Italia und CETRI

Kontakt
: Edoardo Boggio Marzet, Tel. +32-2-7387663

Seit einigen Jahren mehren sich weltweit die Kämpfe in Verteidigung von Gemeingütern, zumeist durch soziale Bewegungen und progressive politische Kräfte (Regierungen/politische Parteien). Die Verteidigung von Gemeingütern ist eine komplexes und vielfältiges Thema, das allmählich in der politischen Agenda der Entwicklungs- und entwickelten Länder bedeutend geworden ist.

Die Konferenz will die Diskussion zwischen Experten, Wissenschaftlern und Politikern zu den theoretischen und politischen Dimensionen von Gemeingütern und zu aktuellen internationalen Kämpfen stärken; sie ermöglicht den Erfahrungs- und Informationsaustausch und trägt zur Erarbeitung von alternativen Strategien bei. Der thematische Teil der Konferenz beschäftigt sich mit dem aktuellen italienischen Referendum gegen Wasserprivatisierung; hier wird die führende Rolle der sozialen Bewegungen als Förderer dieses Referendums herausgestellt und die politische Dimension dieses Referendums und seine politische Perspektive für Italien diskutiert. Eine andere Ebene der Analyse widmet sich der Möglichkeiten der Massenmobilisierung im Rahmen der „European Citizens Initiative“ sowie der konkreten Umsetzung dieser Initiative.

Das "Common Good of Humanity"


Wegen des weiterhin bestehenden neoliberalen Trends, alle öffentlichen Dienstleistungen zugunsten der Kapitalakkumulation zu privatisieren, ist die Verteidigung der Gemeingüter heute wichtig. Aber die aktuellen Herausforderungen hinsichtlich des Planeten und der Menschheit hat ein solch kritisches Stadium erreicht (die multiple Krise), dass neue Paradigma für die Grundlagen von kollektivem Leben auf der Erde als folgende identifiziert werden können: (1) das Verhältnis zwischen Mensch und Natur (von Ausbeutung zu Respekt gegenüber der Natur als Quelle des Lebens), (2) die Produktion zugunsten des physischen, kulturellen und spirituellen Lebens von Mensch und Natur (indem dem Nutzwert Priorität gegenüber dem Tauschwert gegeben wird), (3) die kollektive Organisation (durch eine Demokratisierung aller Verhältnisse, inklusive der Geschlechterverhältnisse, und aller Institutionen), und (4) Interkulturalität. Das „Common Good of Humanity“ kann sich durch die Realisierung dieser vier Paradigmen in der konkreten historischen und sozialen Situation unserer Zeit konkretisieren; es impliziert zugleich grundlegende anti-systemische Kämpfe und eine Neudefinition kollektiver Ziele. Heute ist der neue historische Akteur plural: alle Gruppen sind von der kapitalistischen Logik betroffen.

1) Für ein neues Verhältnis zur Natur: Die kapitalistische Logik hat zu dauerhaften und tiefgehenden Zerstörungen der Natur geführt. In der vorherrschenden Logik der Kapitalakkumulation werden ökologische und soziale Schäden nur als Externalitäten wahrgenommen. Neue Wege müssen das Privateigentum und die Warenförmigkeit essentieller Lebensgüter in Frage stellen. Eine ganz neue Orientierung muss das kollektive Verhalten und die Gesetzgebung beeinflussen.

2) Für eine Neudefinition der Wirtschaft: Wir müssen uns gegen die Idee wenden, dass die Produktion nur für den Tauschwert stattfindet, und müssen anstelle dessen den Nutzwert hervorheben. Nur so kann eine Wirtschaft entstehen, die die physische, kulturelle und spirituelle Basis der menschlichen Existenz sichert. Wir müssen daran arbeiten, dass die Produzenten und Konsumenten die Wirtschaft kontrollieren, damit die Vorherrschaft des Finanzkapitals gebrochen wird.

3) Die Organisation des sozialen Lebens: Wir müssen dafür Sorge tragen, dass alle sozialen und politischen Organisationen auf dem Prinzip der Demokratie basieren. Demokratie darf als Prinzip nicht nur auf das politische System beschränkt sein, sondern muss auch in den ökonomischen, sozialen, kulturellen und religiösen Institutionen wirken. Dies muss zu einer Neudefinition des Staates, und auch der UNO führen.

4) Interkulturalität: Damit Entwicklung nicht mehr mit Verwestlichung gleichgesetzt wird, müssen alle Kulturen, Philosophien und Religionen die Möglichkeit haben an der Ausgestaltung des neuen Paradigmas teilzuhaben. Anti-systemische Kritiken müssen in alle relevanten Sprachen der Welt übersetzt werden.

Erst auf dieser Basis kann das Konzept des „Common Good of Humanity“ entwickelt werden. Damit kann eine kohärente Theorie entstehen, die die sozialen Bewegungen der Welt zu gemeinsamen Handeln führen kann.
 
Dokumentation:
 
Grundlagentext:

Houtart: The Common Good of Humanity
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Bernal: What interculturalism? Experiences Latin America
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Brie: Making the Common Good of Humanity Concrete
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Daiber: Memories of the Future
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Delgado Ramos: Common Goods, Socio-ecological Metabolism
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Mestrum: From Common Goods to the Common Good of Humanity
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Musacchio: Acqua, Beni Comuni
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Vanderpitte: Remarks on "Redirecting Production"
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Hintergrundpapiere zur Konferenz

Rilling: The Commons, the Public, and the Left
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Brie: A different government is possible
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Candeias: Passive Revolution vs. sozialistische Transformation
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Herrera: Reflections on the Crisis and its Effects
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Paez: Social Participation Processes, New Financial Architecture
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Weiterführende Informationen:

>> Konzept der Commons-Konferenz
>> Konferenzprogramm