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Möglichkeiten eröffnen, Diskriminierung überwinden: Gemeinsame Erfahrungen in Bildungsprojekten für junge Roma

Konferenzbericht

Wie können Roma Teil von europäischen Gesellschaften werden und gleichzeitig ihre Identität bewahren? Wie kann ein interkultureller Dialog zwischen Roma, der größten ethnischen Minderheit Europas, und der Mehrheitsgesellschaft initiiert werden? Ein zentrales Element einer solchen multikulturellen Gesellschaft ist gemeinsame Kommunikation. Diese kann neben sozialer Gerechtigkeit vor allem durch gleiche Bildungschancen für alle Mitglieder der Gesellschaft initiiert werden.

Mit dieser Herausforderung setzte sich die das Büro Brüssel der Rosa-Luxemburg-Stiftung auf der Konferenz „Möglichkeiten eröffnen, Diskriminierung überwinden – Gemeinsame Erfahrungen in Bildungsprojekten für junge Roma“ am 11.-13. Dezember 2009 in Brüssel auseinander. Ziel der Konferenz war es, klassisch linke Themen wie das Menschenrecht Bildung, die Selbstorganisation gesellschaftlicher Gruppen und den Kampf gegen Ausgrenzung mit dem Austausch über Positiv-Beispiele in Projekten für eine der am meisten benachteiligten Minderheiten Europas zu verknüpfen.

Eingeladen waren MitarbeiterInnen internationaler Organisationen wie Amnesty International, Europarat, European Dialogue und ERIO (European Roma Information Office) und knapp 30 AktivistInnen lokaler NGOs vor allem aus Ost- und Südosteuropa. Der europäische Blickwinkel war insofern besonders interessant, da es vorrangig EU und paneuropäische Institutionen wie OSZE und Europarat sind, die sich mit der Situation der Roma beschäftigen – das Interesse der Nationalstaaten und der Regionen ist nach wie vor gering. In EU-Kreisen hingegen wird derzeit insbesondere die Verbesserung der Ausbildung von Roma-Kindern diskutiert, und so werden Bildungsprojekte auch ein zentrales Thema beim zweiten EU-Roma-Gipfel am 8. April 2010 in Cordoba sein.

Dort, wo Eltern arbeitslos sind und in unzureichenden Wohnverhältnissen leben, wird vielfach die Organisation des schwierigen Alltags wichtiger als die (Aus-)Bildung der Kinder. Die fehlende Bildung unter Roma verhindert gleichzeitig das Herauskommen aus der Armut. Es ergibt sich ein Teufelskreis aus Ausgrenzung, Armut und fehlender Bildung der Roma-Minderheit. Um die notwendige Bildung von Roma zu erreichen und damit ihre echte Integration, ist die Anwendung strenger Anti-Diskriminierungsgesetze nicht ausreichend. Zusätzlich müssen politische Akteure die Integration von jungen Roma in die nationalen Bildungssysteme aktiv propagieren und unter der Beteiligung von Roma-Organisationen umsetzbare Programme zu ihrer Teilhabe an Bildung entwickeln.

Die auf der Konferenz vorgestellten Projekte zielen im Wesentlichen auf die Umsetzung von drei Zielen:

• Die Verbesserung des Zugangs von Roma-Kindern zu Kindergärten, Vorschulen und Grundschulen
• Die Integration in Grund- und weiterführende Schulen
• Die Miteinbeziehung von Roma in Berufsausbildungsprogramme und ein verbesserter Zugang zum Arbeitsmarkt und zur Universität; Vertrauensbildung und die Entwicklung einer individuellen Persönlichkeit

Die Konferenz-TeilnehmerInnen präsentierten ihre ambitionierten und zum großen Teil erfolgreichen Projekte im Rahmen drei verschiedener Foren, die den obigen Zielen folgten. Dabei wurden auch die Probleme und Herausforderungen diskutiert, mit denen viele der Projekte kämpfen.
 
Projekte für Kinder im Vorschulalter

Die vorgestellten Projekte für Kinder im Vorschulalter richten ihren Fokus – wie viele andere Projekte auch – darauf, die Segregation von Roma-Kindern durch den erzwungenen Besuch von Sonderschulen zu verhindern. Neben der Vorbereitung der Kinder auf den Besuch regulärer Schulen zielen die Projekte deshalb darauf ab, die Idee gemischter Bildungsinstitutionen als Mittel zu interkulturellem Austausch und gegenseitigem Verständnis zu propagieren.

Ein weiteres Ziel ist die konstante Miteinbeziehung von Eltern in den Ausbildungsweg ihrer Kinder. Die Miteinbeziehung der Eltern ist gerade bei kleinen Kindern sehr wichtig, denn ihre Motivation, ihre Kinder in den Kindergarten zu schicken oder einzuschulen, steht und fällt mit ihrem Vertrauen in die Bildungsinstitutionen. Dies gilt insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund wie im Fall des Projekts „Soziale Integration in der Stadt Köln“ für Flüchtlingsfamilien aus dem ehemaligen Jugoslawien. Hier begleiten MediatorInnen die Kinder in den Kindergarten und die Schule und tragen auf diese Weise dazu bei, Sorgen und das teilweise auf eigenen schlechten Erfahrungen basierende Misstrauen der Eltern abzubauen.

Die Überwindung sprachlicher Probleme ist eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Besuch der Grundschule; sie stellt deshalb ein zentrales Element vieler Projekte dar. Daneben ist auch die Integration von Roma-Kindern auf offizieller Ebene eine wichtige Voraussetzung für das Entstehen multikultureller Diversität an Schulen. So hat beispielsweise das Projekt „Einbeziehung von Roma-Kindern in den öffentlichen Kindergärten“ in Skopje nicht nur das Ziel, Kinder mit der mazedonischen Sprache vertraut und Eltern auf die Bedeutung von Bildung aufmerksam zu machen. In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Soziale Angelegenheiten, dem Hauptpartner in diesem Projekt, ist es der Initiative gelungen, 45 Kinder ohne Geburtsurkunde einzuschulen und beim Innenministerium zu registrieren. Multiethnizität ist nur durch eine formale und aktive Integration von Kindern möglich.
 
Projekte in Grund- und weiterführenden Schulen


Auch in der Schule stellen Sprachprobleme oft eine unüberwindbare Hürde für Roma-Kinder dar. Darauf reagiert das Projekt „Education Service for New Communities and Travellers“ in Bradford, Großbritannien. Im Projekt werden DolmetscherInnen aus der Gemeinschaft der Roma beschäftigt, um Kindern und Jugendlichen aus Zentral- und Osteuropa, die größtenteils Roma sind, den Zugang zu Grund- und weiterführenden Schulen zu ermöglichen. Die DolmetscherInnen stehen in den Pausen zur Verfügung, damit die SchülerInnen Probleme in ihrer eigenen Sprache diskutieren können. Dieses Projekt wird von SchülerInnn, Eltern und LehrerInnen sehr gut angenommen. Die soziale Bildungseinrichtung beschäftigt eine Person, die Roma-Kindern den Zugang zur Schule erleichtert und bezüglich der Teilnahme am Unterricht mit den Familien kooperiert. Zusätzlich wird das AssistentInnen-Projekt mit Unterrichtsstunden zu Geschichte und Traditionen der Roma ergänzt, um die Akzeptanz der Roma durch Kenntnis ihrer Identität zu fördern.

In vielen europäischen Ländern sind Kinder aus Roma-Familien einem höheren Risiko ausgesetzt, von lokalen Behörden auf Sonderschulen geschickt zu werden. Dem sollen (parallel zu politischen Aktivitäten) Projekte mit UnterstützungslehrerInnen und eigenen BegleitlehrerInnen für Roma-Kinder entgegenwirken. Manchmal wird dieser Ansatz mit Unterrichtsstunden in Romani kombiniert, so beispielsweise bei einem Projekt im mazedonischen Skopje. Viele Konferenz-TeilnehmerInnen sahen den Einsatz von RomalehrerInnen oder AssistentInnen in Schulen zudem als eine nützliche Methode an, um das Vertrauen von Eltern in das Bildungssystem zu stärken. Dieser Ansatz wird auch bei Projekten in Ungarn oder Italien verfolgt.

So fördert auch das „DARTKE Student Mentoring Program” in der ungarischen Stadt Szeged die Integration von Roma-Kindern durch den Einsatz von VermittlerInnen zwischen Kindern, Familien und Schulen. In Szeged wurde im Rahmen von De-Segregations-Maßnahmen die Sondergrundschule Móra aufgelöst. 129 SchülerInnen wurden sodann auf 11 Schulen verteilt und MentorInnen mit gesandt. Infolgedessen wurden die meisten SchülerInnen in ihre Klassen integriert, die betreuten SchülerInnen haben eine bessere Einstellung gegenüber der Schule und dem Lernen, ihre schulischen Leistungen verbesserten sich und ihre Fehlzeiten wurden geringer. Auch ihr soziales Verhalten änderte sich positiv und ihre Kommunikation mit Lehrern und Mitschülern stieg an.

Viele Kinder, die in einem sozial benachteiligten Umfeld aufwachsen, erhalten von ihren Eltern weniger Unterstützung bei der Bewältigung des Schulalltags. Bei dem Projekt „Schulbildung junger Roma“ in Rom stellen SozialarbeiterInnen eine Brücke dar zwischen LehrerInnen, Nicht-Roma und Roma-Familien, die in den sog. Camps im Umland von Rom leben. Die Kinder aus den Roma-Camps vertrauen den SozialarbeiterInnen inzwischen und können erfolgreich von ihnen gefördert werden.

Selbst die bloße Anwesenheit von Roma-LehrerInnen hilft den SchülerInnen – trägt sie doch dazu bei, die Unsichtbarkeit der Roma zu bekämpfen. In den Projekten, bei denen Roma-BegleitlehrerInnen auch tatsächlich eine Roma-Herkunft haben, bestärken sie damit auch die Kinder, zu ihrer Herkunft zu stehen; für Nicht-Roma Kinder wird die Akzeptanz ihrer MitschülerInnen selbstverständlicher.

Eine andere Herangehensweise hat das Projekt „Bekämpfung der Diskriminierung von Roma-Kindern im Bildungssystem“ von Amnesty International in der Slowakei gewählt. In der Slowakei und in Tschechien verfolgt Amnesty eine Kampagne zum gleichen Zugang zu Bildung und zum Schutz vor Diskriminierung. Exemplarisch aufgezeigt wurde der Fall einer Schule in Pavlovce nad Uhom, auf der 99,5% der SchülerInnen Roma sind. Viele Kinder wurden ohne vorherige Prüfung oder das Einverständnis der Eltern auf dieser Sonderschule für Kinder mit geistigen Behinderungen eingeschult.

Ziel des Amnesty-Projekts ist es, auf zentraler Ebene gesetzliche und politische Veränderungen zu initiieren, die die Segregation von Roma-Kindern im Bildungssystem der Slowakei verhindern. Auf lokaler Ebene soll die Einschulung der Kinder auf der Sonderschule erneut geprüft werden und die Behörden sollen sicherzustellen, dass das Einschulen von Kindern auf Sonderschulen nicht mehr vorkommt.

Die Ziele des Projektes konnten durch beharrliches Lobbying auf nationaler Ebene, durch die Unterstützung durch ortsansässige NGOs und andere lokale Akteure wie Schulen, Gemeinden und Kirchen vorangebracht werden. So wurde mittlerweile ein neues Schulgesetz verabschiedet, welches das Verbot von Diskriminierung im Bildungssystem festschreibt, insbesondere in Form der Segregation. Auf lokaler Ebene konnten 20 Kinder von der Sonderschule auf eine allgemeine Schule versetzt werden und im Schuljahr 2009/10 wurden Roma-Kinder mehrheitlich in der allgemeinen Schule eingeschrieben.

Das Projekt fokussiert jedoch auf das Problem der Einschulung in Sonderschulen, doch das Problem der Segregation in der Bildung muss auch auf der Ebene der allgemeinen Schulen angesprochen werden. Der Wille dieser Schulen, SchülerInnen mit unterschiedlichen sozioökonomischen und kulturellen Hintergründen auszubilden, muss gefördert werden.
 
Berufsausbildung und nicht-schulische Bildungsprojekte für Jugendliche

In diesem äußerst vielfältigen Bereich richtet sich beispielsweise das Projekt „Selbstvertrauensbildung für Roma-Mädchen“ speziell an Frauen und Mädchen der Roma-Gemeinschaft im spanischen Katalonien. Das Projekt umfasst zwei große Treffen im Jahr mit 300 Teilnehmerinnen. Es handelt sich um ein generationenübergreifendes Projekt, dass einen Raum schafft, in dem sich Mädchen und junge Frauen über ihr Leben und ihren Beruf austauschen können. Die Roma-Frauen beteiligen sich direkt an der Organisation der Treffen, Roma-Studentinnen werden eingebunden, um Solidaritäts-Netzwerke zu fördern und damit gegenseitig ihre akademische Laufbahn zu unterstützen.

Ein Jugendaustausch der besonderen Art wurde durch das Projekt „Ähnlichkeiten und Unterschiede verschiedener Realitäten von Roma“ der ungarischen Stiftung Romaversitas möglich. Jugendliche VertreterInnen von acht Roma-Organisationen hatten sich im Herbst 2009 für eine Woche in Budapest getroffen. Dort diskutierten sie jeden Tag ein anderes Thema, das einen Bezug zur Identität junger Roma hat. Die TeilnehmerInnen konnten ihre Gedanken unter anderem zu den Themen Tradition, Sprache und Diskriminierung ihrer Herkunftsländer austauschen. Das Projekt ermöglichte es den meisten TeilnehmerInnen, das erste Mal längere Zeit mit Roma aus anderen Ländern zu verbringen und Kontakte zu knüpfen.

Ein weiteres erfolgreiches transnationales Jugendprojekt ist der Aufbau eines „Europäischen Roma-Jugend-Netzwerks“ durch engagierte Roma- und Nicht-Roma-Jugendliche aus Albanien, Bulgarien, Ungarn, Deutschland, Italien, Polen, Rumänien und der Slowakei. Ziel des Projekts ist es, den interkulturellen Dialog zwischen Roma-Kindern und -Jugendlichen mit gleichaltrigen Nicht-Roma auszuweiten und gemeinsam gegen Stereotypen, Rassismus und Vorurteile zu kämpfen. In jedem Land wurden Treffen mit Roma-Jugendlichen/-Gruppen organisiert, die Länderarbeit wird dann auf regelmäßigen Netzwerktreffen mit VertreterInnen aus allen teilnehmenden Ländern zusammengeführt. Es wurde eine Website für Roma-Jugendliche aufgebaut, welche auch dem Austausch von Ideen dient (www.romayouth.com). Das von deutschen Jugendlichen ins Leben gerufene Projekt „United Roma Youth“ zielt vor allem darauf, durch Informationskampagnen Antiziganismus und Diskriminierung entgegen zu treten.

Ein Projekt, das den Zugang zur Hochschulbildung für junge Roma verbessern soll und wissenschaftliche Studien zu Roma fördern soll, ist die „Unterstützungs-Initiative für die Hochschulbildung von Roma“ in Bulgarien. Das Projekt bietet Unterstützung für studierende Roma, so wurde das „Romani Studies Centre of Excellence“ gegründet, eine Art Career Center für Roma Studierende. Gleichzeitig werden SchülerInnen der Sekundarstufe mit Informationen auf den Studienbeginn an Universitäten vorbereitet. Schon studierende Roma dienen ihnen als Vorbild und erhöhen das Ansehen von Hochschulbildung innerhalb der Roma-Gemeinschaft.
 
Kulturprogramm

Im Rahmen des Kulturprogramms wurden die KonferenzteilnehmerInnen direkt in die Projektarbeit involviert. Eine von zwei deutschen Bands, die aus dem auf der Konferenz vorgestellten Hip-Hop-Projekt „Flying Dreamz“ in Göttingen hervorgegangen ist, präsentierte Hip-Hop-Rhythmen und Elemente traditioneller Roma Musik. Das Göttinger Projekt richtet sich an SchülerInnen, SchulabbrecherInnen und arbeitslose Jugendliche, die aktiv in alle Aspekte des Projekts involviert werden: Sie bilden die Band, texten, organisieren Konzerte und betreiben Öffentlichkeitsarbeit. Damit entwickelt und fördert das Projekt Fähigkeiten wie Teamwork, Selbstvertrauen und hilft den Jugendlichen sich auszudrücken.

Ein weiterer Teil des Kultur-Programms war die öffentliche Präsentation der Dokumentation „Me, My Gypsy Family and Woody Allen“. Der Film handelt von den Träumen einer jungen Roma in Italien und den Herausforderungen, mit denen sie in ihren unterschiedlichen Identitäten konfrontiert wird. Nach der Präsentation diskutierte das Publikum mit der 20-jährigen Regisseurin Laura Halilovic die in dem preisgekrönten Film angesprochenen Probleme.
 
Erfolge und bleibende Herausforderungen

Durch einzelne Projekte wurden viele Probleme beseitigt und sehenswerte Erfolge erzielt. Um die Erfolge der Projekte zu konkretisieren, lassen sich folgende Ergebnisse anführen:

• Infrastruktur: Durch die Ausstattung von Kindern mit Unterrichtsmaterialien und indem Transportmittel für den Schulweg zur Verfügung gestellt werden, werden viele Kinder überhaupt erst dazu befähigt, an Bildung teilzunehmen. Die Einschulungsquote wird erhöht.
• Eltern und SchülerInnen werden mithilfe von MediatorInnen zur Teilnahme am Unterricht motiviert, und die Quote von SchulabbrecherInnen ist zurückgegangen.
• Es ist gelungen, Vorurteile bei Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen und bei ihnen oftmals sogar eigene Initiative für Projekte auszulösen.
• Durch Capacity Building werden verschiedene soziale Akteure wie Regierung, Ortsbehörden, Gemeinden und Roma-Verbände befähigt, einen Bildungsprozess in Hinblick auf Roma zu ermöglichen oder herbeizuführen, auch in Hinblick auf öffentliche Politik und Gesetzgebung.
• Fehlende Daten werden gesammelt, die Bedürfnisse von Roma Kindern im Bildungsprozess werden zum ersten Mal erforscht und anhand von Indikatoren messbar gemacht.

Während der Konferenz wurden aber nicht nur Best Practice-Beispiele gezeigt, sondern auch Fehler identifiziert, erfolglose und ineffektive Ansätze benannt. Probleme sind oft struktureller Natur und lassen sich nur mit großer Ausdauer bekämpfen.

• Die Regierungen und örtlichen Behörden unterstützen zwar Roma-Projekte, propagieren dies aber nicht in der Öffentlichkeit, das sie um die Zustimmung der Mehrheit der Nicht-Roma fürchten.
• Durch die Erfahrung von Ausgrenzung und Diskriminierung verheimlichen viele junge Roma, insbesondere diejenigen mit hohem Bildungsstand, ihre Herkunft.
• Behörden stellen nicht die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen zu Verfügung, um Projekte zur Integration von Roma flächendeckend zu organisieren. Auch kann die Kontinuität nicht gewahrt werden, obwohl sie gerade bei Jugend- und Kinder-Projekten von großer Bedeutung ist (feste Bezugspersonen).
• Romani wird nur vereinzelt als Unterrichtssprache mit in den Schulunterricht einbezogen. Roma-Kinder haben Verständigungsschwierigkeiten, Sprache und Identität der Roma werden gering geschätzt bzw. gehen verloren.
• Kinder erhalten wenig Wissen über Geschichte und Kultur verschiedener Ethnien und Nationalitäten. Die Diversität an Schulen spiegelt sich selten in der Herkunft der LehrerInnen wider.
• EU-Richtlinien und nationale Gesetzgebung gegen Segregation in der Bildung finden keine Implementierung auf lokaler Ebene.
• Es besteht ein Mangel an Daten zur schulischen Situation junger Roma. Regierungen sammeln Daten nicht getrennt nach ethnischer Zugehörigkeit und sind dadurch nicht imstande, Ausmaß und Charakter der Diskriminierung richtig einzuschätzen.

Wie die Konferenz gezeigt hat, sind die Probleme, gegen die einzelne Projekte sich richten, vielfach vergleichbar und ähnliche Lösungen bieten sich an. Dabei darf nicht darüber hinweg gesehen werden, dass es innerhalb Europas Roma-Gemeinschaften mit unterschiedlichen sozioökonomischen Hintergründen und unterschiedlichem lokalem Umfeld gibt. Doch gerade deshalb sind Vernetzung und Kooperation mit anderen Projekten und Programmen dringend notwendig.

Die Entwicklung einer umfassenden politischen Strategie für die Einbindung von Roma in den Bildungsprozess muss genauso wie jedes Handeln oder jede Maßnahme zur sozialen Eingliederung mehrdimensional sein, um erfolgreich zu sein. Die Erfolge der vorgestellten Projekte zeigen, dass es vielfältigste Ideen gibt, aus dem Teufelskreis von Ausgrenzung auszubrechen und das Wissen als subjektive Aneignung der Welt für alle zugänglich zu machen – sie müssen nur genutzt und politisch gefördert werden.

Anna Striethorst und Daniela Glagla

Date: 11.-13. Dez. 2009
Venue: RLS Brussels, Ave. Michel-Ange 11, 1000 Brussels
Organisation: Rosa Luxemburg Stiftung Büro Brüssel

Beschreibung des Seminars