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Lock-in fossiler Brennstoffe: warum Gas eine falsche Lösung ist

Die Öl- und Gasindustrie sowie die Europäische Kommission werben derzeit darum, Gas als "klimafreundlichen" oder "kohlenstoffarmen" fossilen Brennstoff und "Partner für erneuerbare Energien" zu behandeln.

Aber während behauptet wird, Gas hätte einen kleineren Kohlenstoff-Fußabdruck als Kohle oder Öl, ist Gas tatsächlich verantwortlich für große Mengen an Treibhausgasemissionen. Gas ist nicht nur ein umweltbelastender fossiler Brennstoff, ist das Methan, das in der Herstellung und Verwendung von Erdgas freigesetzt wird, langfristig mehr als 80-mal schlechter für das Klima als CO2. Darüber hinaus konkurriert und verdrängt Gas Projekte erneuerbarer Energien. Weit davon entfernt klimafreundlich zu sein, ist Gas nur eine andere von der Industrie geförderte falsche Lösung, die in eine Klima-Sackgasse führt.

In der letzten Klimakonferenz im Dezember 2015 in Paris wurde vereinbart, "die Bemühungen fortzusetzen, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen", und während dies sicherlich vage und unverbindlich ist, müssten 80% der Reserven an fossilen Brennstoffen im Boden bleiben, um dieses Ziel zu erreichen. Dennoch wird weltweit nach Gas gesucht, und Gasförderung und Gashandel werden steigen. Europa ist eine treibende Kraft in diesem Ansturm auf Gas.

Derzeit wird in der EU mehr als die Hälfte des weltweit produzierten Erdgases verbraucht; es wird importiert aus Norwegen, Russland, Katar, Nigeria und den Maghreb-Staaten Algerien, Tunesien und Libyen. Die EU plant in Zukunft Erdgas auch aus Aserbaidschan, Turkmenistan, den USA und aus dem Iran zu importieren. Öl- und Erdgasförderung sind häufig mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden verbunden. Eine Änderung der Energiepolitik im Norden könnte Entwicklungspfade im globalen Süden ändern, und es ist eine Aufgabe der Europäischen Union, dies zu beachten.

Die EU-Energiesicherheitspaket vom Februar 2016 gewährt die Vorfahrt für große Investitionen in die Gasinfrastruktur und in Flüssigerdgas-Anlagen (LNG) und für einen künftigen Anstieg der Erdgasimporte - trotz anhaltenden Rückgangs des Gasverbrauchs in Europa. Die Gas-Pipeline "Southern Gas Corridor" - ein Vorzeigeprojekt, das Gas vom Kaspischen Meer nach Europa bringen soll  und für das sich die größten Öl- und Gaskonzerne einsetzen - wird weitgehend von den europäischen Institutionen unterstützt und ihre Realisierung beschleunigt.

In wessen Interesse ist der derzeitige Ansturm auf Gas in der EU? Was passiert in Ländern in denen Gas produziert wird, und was sind die Bedingungen der Produktion? Was sind die Prognosen für das Wachstum der Erdgasförderung? Wie können wir als Zivilgesellschaft kollektiv diese Gas-Agenda herausfordern und die Gas-Mythen entlarven? Was können wir tun, um zu zeigen, dass die derzeitige Gasentwicklung weltweit und in Europa kontraproduktiv für die Energiewende ist, und wie können wir unsere Aktivitäten besser gegen einen neuen Lock-in fossiler Brennstoffe koordinieren (nach Öl und Kohle)? Und letztlich, wie können wir Alternativen und "Energiedemokratie" zu stärken?

Ziele:
•    Gas als Brückenenergie und –technologie zu de-legitimieren;
•    Wissen über die Folgen des Lock-ins fossiler Brennstoffe für Umwelt, Klima, Menschenrechte und Wirtschaft zu verbreiten;
•    Wissen über die EU-Gaspolitik verbreiten und den Austausch von Erfahrungen mit Widerstand ermöglichen;
•    Kapazitäten für Kampagnen zur Bekämpfung von Gas verbessern und die Zusammenarbeit stärken;
•    Wissen über Alternativen und "Energiedemokratie" verbreiten.

Materialien zum Download (auf Englisch):

Das detaillierte Programm

Präsentationen:
The private concentration of the renewable sector in Morocco and critique of the Moroccan Solar Plan (Lucile Daumas, Attac Morocco)
Gas consumption in the EU: How much gas infrastructure does the EU actually need? (Manon Dufour, E3G, Brussels)
Natural Gas, methane, and climate change after COP21 (Robert Howarth, Cornell University, New York, Board of Directors for Food & Water Watch)
Where does our gas come from? Geopolitics of gas, growing gas exploitation worldwide, gas pipelines and LNG - terminals (Alfons Perez, ODG, Spain)
Energy Union and EU gas strategy: What is happening now and who is behind this plan? (Antoine Simon, Friends of the Earth Europe)
Industry narratives on fossil gas (Laura Weis, PowerShift e.V. Berlin)

Zielgruppe:
Energie- und Klimaaktivist*innen

Sprachen:
Englisch, Spanisch, Französisch (Arabisch)

In Kooperation mit:
Corporate Europe Observatory
Counter Balance
Friends of the Earth Europe
Food and Water Europe
PowerShift e.V. Berlin
War on Want

Kontakt:
Marlis Gensler, Rosa-Luxemburg- Stiftung, Büro Brüssel, marlis.gensler(at)rosalux(dot)org