Energiedemokratie? - Sozial-ökologische Transformation im Bereich Energie.

Über 60 Teilnehmende aus 18 Ländern und sehr unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern trafen sich von 3. bis 5. Juli zur Tagung „Socioecological Transformation – Focus Energy“ auf Einladung des Brüssel-Büros der Stiftung und Ulrich Brand vom Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien, um die Möglichkeiten und Grenzen einer eben solchen Transformation auszuloten.

In seiner Begrüßung stellte Klaus Sühl die Tagung in den Kontext eines mehrjährigen Prozesses, den das Brüsseler Büro mit Workshops und Tagungen, Studien und Publikationen vorantreiben möchte. Es sollen Wissen und Vorschläge erarbeitet, positive und negative Entwicklungen eingeschätzt, stabile und vertrauensvolle Netzwerke gebildet werden. Das ist umso wichtiger, da die europäische Energiepolitik sich dynamisch und sehr problematisch entwickelt: Im Interesse der großen Konzerne und starker Kapitalgruppen, deutlich weg vom Ziel der Nachhaltigkeit und einer demokratischen Gestaltung der Gesellschaft und ihres Verhältnisses zur Natur.
 
Zweifellos handelt es sich bei einem Umbau des Energiesystems um ein Kerngebiet jeglicher Nachhaltigkeitspolitik – und es stellt sich rasch die Frage, ob er überhaupt stattfindet und wer diesen Prozess bestimmt, das heißt, wie demokratisch oder kapitalgetrieben er verläuft. Wie also können entsprechende Transformationsprozesse vorangetrieben werden? Wie können unterschiedliche Akteure – Politik, Gewerkschaften und Unternehmen, soziale Bewegungen, NGOs und Wissenschaft – ihre je spezifischen Erfahrungen und Perspektiven fruchtbar einbringen?

Die Tagung war so konzipiert, dass offene Fragen und Probleme gestellt werden konnten. Etwa jene, wie die Unternehmen und Beschäftigten der fossilen Energiegewinnung für einen Transformationsprozess zu gewinnen sind. Wie – wenn der Weg nicht nur technologische Innovationen sind – Produktion und Konsum reduziert werden können, ohne dass dieses zu Krisen und Verarmung führt. Welche Rolle spielt die europäische Politik mit ihrer Ausrichtung an internationaler Wettbewerbsfähigkeit und den Strategien der „Energie-Sicherheit“? Welche Alternativen werden derzeit auf lokaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene entwickelt?

Ein Begriff wurde immer wieder verwendet und dieser könnte einen Umbauprozess anleiten, nämlich jener der „Energiedemokratie“. Er könnte anzeigen, wie die Transformation des Energiesystems als gesellschaftliche Aufgabe begriffen wird, die nicht nur an den Gewinninteressen der Unternehmen ausgerichtet, sondern viel umfassender ist.

Ulrich Brand (Wien)

>> Konferenz sozialökologische Transformation Fokus Energie, Juli 2013